Meine Meinung: Claudia Schmitz, EWMD International President a.D.

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Claudia Schmitz, frühere EWMD-Präsidentin / Bildrechte: EWMD

Am 8. März ist Weltfrauentag. Was bedeutet er heute für uns Frauen? In der Gesellschaft, in der Familien, im Business? Das internationale Business-Netzwerk EWMD setzt sich für mehr Geschlechtergerechtigkeit und damit mehr Frauen in verantwortliche Positionen der Wirtschaft ein. Die langjährige frühere Präsidentin des EWMD lässt anlässlich des Weltfrauentags ihren Blick vor allem nach vorn in die Zukunft und auf die junge Generation schweifen. Eine Reflexion.

 

Als vor über 100 Jahren der erste Frauentag 1911 von 45.000 Frauen ins Leben gerufen wurde, ging es um Mitspracherechte – um das Wahlrecht der Frauen. Vor ein paar Wochen wurde durch den Kinofilm „Suffragette“ gezeigt, wie hart die Frauen für dieses Recht gekämpft haben und wie groß der Widerstand war. Und heute? Wofür sollen wir aufstehen, was muss beklagt werden, wofür sollten wir kämpfen? Die Welt ist voller Sorge, Krieg und Flüchtlingen – da kommt es einem merkwürdig vor, sich an diesem Tag mit der „Gleichberechtigung“ der deutschen Frauen zu beschäftigen. Es gibt Rollenmodelle wie Angela Merkel und Christine Legarde, Frauen mit viel Macht und Einfluss – die reflektiert damit umgehen.

 

Von dem internationalen Managerinnen-Netzwerk EWMD Germany wird es keine Forderung geben – aber ein paar Gedanken, die uns beschäftigen. Wir sind Frauen der Mittelklasse, haben studiert, eine Ausbildung gemacht, uns in den Konzernen hochgearbeitet, vielleicht später selbständig gemacht. Manche haben Kinder bekommen – viele haben darauf verzichtet. Das Netzwerk gibt es seit 1984 – und wir stehen dafür, daß die Verteilung der Arbeit gerecht ist, wie im Grundgesetz verankert, zwischen Männern und Frauen.

 

Das fängt natürlich zunächst bei jeder Frau zuhause an. Wie ist die Arbeit mit dem Partner/in aufgeteilt, wer macht auf wessen Rücken Karriere? Oder positiv formuliert: Wer unterstützt uns auf dem Weg – unsere Mutter, die immer wieder einspringt, wenn es brennt? Oder hat diese auch ein Recht auf Verwirklichung ohne Kinder? Springen wir ein für unser Kind?

 

Wir streiten mit Unternehmen darüber, dass Frauen auch in Teilzeit führen können, dass ein mobiler Tag das Leben sehr verändern und entstressen kann. Ja, wir sind auch für die Quote und unterstützen FIDAR – Frauen in die Aufsichtsräte. Unser täglich Brot verdienen wir mit Führung, Projektmanagement, Coaching, Beratung und Teamwork. Wir glauben an Diversity und Empathie. Wir suchen nach Sinn und Glück, Zufriedenheit und Work-Life-Balance. Mehr nicht. Wir wollen keine Millionärinnen werden und auch kein CEO. Es ist uns egal, wie viel man hier verdient, auch wenn alle ¼ Jahre ein Neid-Artikel erscheint, der über die Millionen-Gehälter berichtet. Wir wollen Entscheiden – mitentscheiden, „wie“ es in unseren Unternehmen zugeht und „wie“ wir mit anderen arbeiten. Wir wollen nicht im Klein-Klein enden – wir wollen global dabei sein.

 

Wenn wir die Statistiken des Instituts der deutschen Wirtschaft zum Thema „Arbeitsmarkt und Arbeitswelt“ ansehen, dann kommen uns sicher die Tränen. Es sind die gleichen Zahlen wie vor über 20 Jahren: Weniger als 10 % Frauen auf den Top Etagen, im Mittelfeld ca. 25 % und ja die fast 2,3 Millionen Frauen, die in Deutschland Unternehmen führen, oft nur unter 10 Mitarbeitern beschäftigen. Und wichtig für uns EWMD: Die Solo-Frauen, wie der Fachbegrifft heißt, also die Beraterinnen und Freelancer. Auf die Frage an den Experten, warum das so ist kam die Antwort: „Weil die Frauen keine Zeit haben! Wer Karriere machen will, muss Zeit haben und diese in der Firma verbringen. Eine Führungskraft muss erreichbar sein, greifbar und vor Ort.“ An diesem Bild hat sich nach all den Jahren nichts geändert, obwohl es mobile Systeme gibt, Home-office und Skype. Es klingt fast wie Retro-Management aus den 70ern.

 

Ja, es gibt die Frauen, die sich durchkämpfen, die zur Not auch als Finanzchefin nach Sibirien gehen und alle zwei Wochen nach Hause fliegen, um „zuhause“ zu sein. Die gibt es auch bei EWMD. Privatleben ist gefüllt mit Karriere machen. 60 Stunden die Woche – muss sein. Aber wer will das schon? Das finden ja inzwischen auch die Männer schrecklich und sprechen offen aus, dass sie ihre Kinder sehen wollen und in den nächsten Jahren für keinen Auslandjob zu haben sind, so immer wieder in meinen Leadership-Seminaren.

 

„Aber die machen auch keine Karriere!“ hört man dann vom Experten der deutschen Wirtschaft. Und auf die Frage, wie lange das noch so geht, erfährt man dann „Es gibt immer wieder Männer, die sich ganz der Karriere verschreiben, koste es, was es wolle. Solange wir die Hierarchie haben, wird das auch so bleiben.“ Ja die Hierarchie – ein System der alten Griechen, das wörtlich übersetzt heißt: „Die heilige Macht/Ordnung der Männer“ (so auch das Buch von Prof. Schwarz).

 

Kämpfen wir nicht auf verlorenem Posten, gegen ein altes System, das sich eh in den nächsten Jahren auflösen wird? Jeden Tag wird in einem Unternehmen eine Managementebene abgeschafft. Netzwerkfirmen und Team-Decisions, die Welt von Google - findet das nicht überall statt? Hat Frederick Laloux recht, indem er die neuen Firmen studiert? Vielleicht – aber es gibt auch andere Trends: Junge Menschen heiraten wieder jung – bekommen nicht nur ein Kind, sondern auch wieder drei Kinder und pflegen Kontakte und Freunde. Das ist wunderbar, zumal, weil es ihnen oft nicht so direkt vorgelebt wurde. Das ist auch Retro.

 

Starbucks zeigte der Generation, wie gemütlich ein Café sein kann – und schon entstehen viele neue Cafés dieser Sorte in den Städten, allerdings privat und als Entrepreneure. Das ist auch wunderbar. Generation Y hat den Glauben an Karriere längst umdefiniert: „Glück ist, wenn man sich selbst versorgen kann und Vertrauen in die eigenen Kompetenzen hat“, so auch der Hirnforscher Gerald Hüther. Und das sehen auch andere Glücksforscher so. Geld steht nicht mehr für „meine Frau, mein Haus, mein Auto“ wie in den 90ern, sondern für „meine Bildung, mein Essen, mein Sport, meine Zeit“. Diese Generation wird beäugt, belächelt, abgetan. Da sind die Medien einig. Aber wir sind Frauen und Mütter, und es sind auch unsere Kinder, an die wir glauben. Deshalb soll der Weltfrauentag am 8. März 2016 im Zeichen von Hoffnung stehen, von Werten und Empathie und wir sollten uns, wie jetzt unsere Kinder, von der Vorstellung lösen, dass eine Firma und ein Job das Glück ist.

 

Claudia Schmitz

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